[…] können wir daher festhalten, dass alles, was bisher gesagt wurde, zwar schön und richtig ist, uns aber in der Konzeption einer neuartigen Gesellschaft wenig näher bringt. Was die bisherigen Ausführungen jedoch können, ist, uns einen Einblick geben in die grundlegenden Beschaffenheiten unserer Gesellschaft und damit auch die Basis sein für die Analyse anderer Gesellschaften. Dabei muss aber die Analyse einer Gesellschaft immer aus zwei Perspektiven geschehen: Erstens aus der Perspektive des Individuums innerhalb der eigenen, analysierten Gesellschaft. Zweitens aus der Perspektive des Individuums außerhalb der analysierten Gesellschaft. Bei letzterem ist allerdings wieder zu beachten, dass jenes Individuum wiederum Teil einer anderen Gesellschaft ist und deshalb mit den gegebenen Prädispositionen zu kämpfen hat.
Bei der Analyse einer Gesellschaft ist die Perspektive des integrierten Individuums natürlich die Ergiebigste. Denn eine solche Analyse ist nichts weiter als die eigene Reflexion und damit Erkenntnis der Dispositionen für das eigene Handeln. Die zweite, außenstehende Perspektive dient vielmehr der Absicherung der Ergebnisse der Analyse des integrierten Individuums. Durch dessen Erkenntnis, und ihre Verankerung in der gesamten Gesellschaft, ist es dann – und nur dann! - möglich, eine Gesellschaft zu ändern. Denn wenn allen bewusst ist, welches die Grundlagen des eigenen Handelns sind, kann man diese Grundlagen auch bewusst ändern und damit etwas Neues schaffen.
Insofern muss es also Ziel einer jeden Wissenschaft sein, ihre Erkenntnisse, die bei der Verbesserung der grundlegenden Gegebenheiten behilflich sind, allen Mitgliedern einer Gesellschaft auf die am einfachsten zu verstehende Art und Weise zugänglich zu machen, und sich nicht im Elfenbeinturm der wissenschaftlichen Sprache einzusperren. Die Grundlage für die Veränderung einer jeden Gesellschaft und jedes noch so kleinsten Teiles Sub-Gesellschaft, dass sich in ihr befindet, bedarf der ausführlichen Erkenntnis um die Grundlagen jener Gesellschaft und ihrer Auswirkungen auf das menschliche Handeln.
Vereinfacht gesagt: Erst wenn wir wissen, warum wir tun, was wir tun, können wir unser handeln beeinflussen.
Es bleibt aber die Problematik des Systems, im Sinne des wirtschaftlichen Systems. Eine Gesellschaft ist immer in bestimmter Weise von ihrem wirtschaftlichen System geprägt. […]
- Wolfgang. J. Hansen: Gesellschaften und Systeme – Eine kurzes Traktat, S. 24 – 25, Berlin, 2007